Diesmal stand die Tour des OWK mit 25 Wanderfreund*innen, geführt von Brunhilde Marquardt und Alfred Günther, ganz im Fokus der Walldürner Steinbrüche.
Im letzten Drittel des 19. Jh. war Walldürn Sitz einer hochentwickelten Steinindustrie mit Abbau und Bearbeitung des roten Buntsandsteins. Er spielt heute noch geologisch, als auch architektonisch eine zentrale Rolle.
Die Stadt liegt im sog. „Buntsandstein-Odenwald“ direkt an der Grenze zum Muschelkalk des Baulandes. Das Stadtbild von Walldürn wird maßgeblich durch repräsentative Sandsteinbauten geprägt, wie z. B. die Wallfahrtskirche, die Mainzer Kellerei, das Stadt- und Wallfahrtsmuseum, die Grundschule, die stattlichen Sandsteingebäude und Villen in der Adolf-Kolpingstraße und Bonnstraße sowie viele Kleindenkmale in der Stadt und Flur. Sogar die Römer nutzten einst den roten Buntsandstein, um das Römerbad, ihre Kastelle und ihre Wachttürme zu bauen. Letztlich gehört das Rot dieses regionaltypischen Gesteins zu den Stadtfarben und ist im Stadtwappen zu finden.
Auf dem heutigen Wohngebiet Heide gab es bis in die 60er Jahre die bekannten Steinbruchfirmen: Metz und Schneider. Dort wurde ein hochwertiger Buntsandstein abgebaut, der von seiner Festigkeit erstaunlich belastbar ist, daher war er für massives, tragendes und langlebiges Mauerwerk geeignet. Gleichzeitig war er weich genug, um ihn für filigrane Ornamente und Skulpturen zu gestalten. Gerne verwendete man den heimischen Stein für den Bau von Kirchen oder für den Wiederaufbau von Staatsgebäuden, z.B. Berliner Reichstag. Aufträge aus Berlin, Frankfurt, Mainz, usw. wurden ausgeführt, bearbeitete Steine versendet, wobei die Bahnverbindung um 1900 den Absatz enorm steigerte.
Viele Walldürner, ca. 200 bis 300 Menschen, fanden als Steinhauer in den Walldürner Steinbrüchen Arbeit und Brot. Die Arbeit eines Steinhauers war schwer und körperlich anstrengend: Sie arbeiteten damals von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, selbstverständlich auch samstags. Man wurde im Akkord bezahlt mit einem Stunden-Lohn von 15-18 Pfennigen. Der Beruf des Steinhauers war gefährlich und gesundheitsschädigend: Durch den Umgang mit Feinstaub erkrankten viele Steinhauer an einer Staublunge und wurden nicht alt.
Steinmetze und Steinhauer brauchten Kenntnisse in der Geologie, handwerkliches Geschick, technisches und ästhetisches Know-how, um Geräte wie Bagger und Sägen bedienen und warten zu können, um den Umgang mit Sprengstoff oder Brech- und Siebtechniken zu beherrschen. Letztlich waren immer mehr Sicherheitsvorschriften einzuhalten und Prozesse der Qualitätssicherung zu erfüllen.
Die Wanderfreund*innen verglichen alte Fotoaufnahmen vom ehemaligen Steinbruch Metz mit dem heutigen Stadtbild. Noch heute sind Spuren von Wegen und Abbruchkanten zu erkennen, die damals 30 bis 35 Meter in die Tiefe führten, deren Hohlraum heute mit Erdmaterial aufgefüllt und in Naturbereich umgewandelt ist. Somit ist der stillgelegte Steinbruch renaturiert.
Steinbrüche sind beeindruckende Zeugnisse unserer Industriekultur, doch ihre aktive Nutzung endete meistens nach einigen Jahrzehnten, weil die Ressourcen erschöpft waren. Doch in diesem Fall wäre das Steinbruch-Gewerbe heute definitiv noch möglich, denn die Rohstoffe Stein und Fels sind vorhanden. Gründe für die Aufgabe des Betriebes in den 1960er Jahren waren: Andere Baustoffe wurden interessanter und kostengünstiger, z.B. Beton. Neue gesetzliche Bestimmungen und ökologische Auflagen, steigende Förder- sowie hohe Frachtkosten machten den Betrieb unrentabel.
Der ehemalige Steinbruch Schneider ist heute das Wohngebiet Heide, insbesondere Untere Hangstraße. Um auf ehemaliges Steinbruchgelände ein Haus zu bauen, musste erst mal ein sicheres Fundament geschaffen werden und der Boden mit Burgenplatten besonders präpariert werden, ein aufwendiges und teures Unternehmen.
Auch hier staunten die Wanderfreunde über die landschaftlichen Veränderungen des Stadtbilds seit den 1960er Jahren. Die informative Wanderung, alte Fotos und so manche Geschichten aus dieser Walldürner Ära erinnerten an diesen früheren wichtigen Wirtschaftszweig in Walldürn.
Beim Walldürner Feierabend auf dem Schlossplatz ließ man den Wandernachmittag ausklingen.