OWK auf den Spuren Graf Konrad I.
Von Hemsbach zum Kloster Seligenthal
am 22.03.2026
OWK auf den Spuren Graf Konrad I.
Von Hemsbach zum Kloster Seligenthal
am 22.03.2026
Der OWK lud am vergangenen Sonntag zu einer Wanderung auf den Spuren des Grafen Konrads I. ein mit einer Besichtigung der ehemaligen Klosteranlage Seligenthal bei Schlierstadt. Theo Zimmermann begrüßte 64 Wanderfreunde, darunter einige Gäste.
Ausgangspunkt der neun Kilometer langen Wanderung war die St. Mauritius-Kirche in Hemsbach. Hier informierte Brunhilde Marquardt zunächst über den Ort Hemsbach, der seit 1971 zu Osterburken gehört und heute 219 Einwohner zählt.
Überregional bekannt sei die denkmalgeschützte romanische St.-Mauritius-Kirche, das älteste Gotteshaus im Neckar-Odenwald-Kreis. Ursprünglich als vorchristliches Heiligtum am Ufer des Rinschbach gelegen, füllten um 837 schottische Mönche den heidnischen Kult mit christlichen Inhalten und bauten ein Holzkirchlein.
Um 1180 errichtete man zunächst nur einen schlichten Chorturm aus groben Stein-Quadern, in dem sich die Menschen in Kriegszeiten schützen konnten. Später wurde das Kirchenschiff angebaut. Das Heiligtum war ein Wallfahrtsort. Hier verehrte man die „Drei heiligen Jungfrauen“ und erbat deren Fürsprache gegen Missernten, Viehseuchen und Kinderlosigkeit. Das historische Kirchlein mit seinen wertvollen Fresken aus dem 14./15. Jahrhundert, die Pfarrer Kurt Wolf aus Adelsheim anschaulich erklärte, es sei heute ein Kleinod und Besuchermagnet.
Von Hemsbach aus folgte man bei frühlingshaftem Wetter dem Rundweg mit der Markierung H3 durch den Klosterwald und einer hügeligen Landschaft inmitten des Baulands, der einen Rundumblick auf die Ortschaften Osterburken, Zimmern, Schlierstadt und Bofsheim erlaubte.
Um 15 Uhr führte Archäologe und Leiter dem Römermuseums Osterburken Dr. Jörg Scheuerbrandt mit wissenschaftlichen Erkenntnissen interessant und kurzweilig durch das ehemalige Nonnenkloster der Zisterzienser Seligenthal.
Im idyllischen Tal am Schlier- oder Krummbach gelegen, wurde die Klosteranlage 1236 von Graf Konrad I. von Dürn und seiner Gemahlin Mechthildis von Laufen als Hauskloster und spätere Grablege gegründet. Damals waren Töchter des Adels im Kloster in angesehener Position sicher untergebracht und versorgt. Sie übernahmen die Seelsorge, lebten autark und nach der benediktinischen Regel „Ora et labora“. Sie konzentrierten sich auf das Wesentliche und verzichteten auf Überflüssiges. Das gemeinsame Gebet strukturierte ihren Alltag mit Gottesdiensten, geistlicher Lesung und Arbeit mit Geist und Händen.
Zisterzienser galten als Ingenieure des Mittelalters. Sie machten Ackerflächen urbar, bauten Kanalsysteme und Mühlen, waren bekannt für ihre schlichte, schmucklose, doch perfekte Architektur, und sie leisteten Kulturarbeit für die Nachwelt.
Das Kloster Seligenthal erlebte Glanzzeiten vom 13. bis 15. Jahrhundert, überlebte jedoch nicht die Reformation und den Bauernkrieg. Nach 300jährigem Bestehen aktiver, religiöser Gemeinschaft in einem Hort des Friedens und der Ruhe, wurde das Kloster 1568 aufgegeben. Der Besitz ging an Kurmainz, nach der Säkularisation an das Fürstentum Leiningen. Seit 1934 wird das Anwesen privat als landwirtschaftliches Hofgut genutzt.
In den letzten Jahren wurden bedeutende Teile der Klosteranlage von der Stadt Osterburken erworben, wissenschaftlich erforscht, teils saniert und als historische Zeugnisse gesichert, wie z.B. die Sakristei mit ihrem romanischen Kreuzgewölbe und einem seltenen sogenannten „Transennen-Fenster“ (ein durchbrochenes Steinfenster) sowie der Kapitelsaal. Obwohl die Anlage über Jahrhunderte stark verändert wurde, finden sich heute noch bauliche Überreste: Das frühgotische Portal der ehemaligen Kirche, die 1928 nach einem Brand abgebrochen wurde, blieb erhalten, wurde jedoch versetzt. Heutige Wirtschaftsgebäude stehen teilweise auf den Grundmauern der alten Klostergebäude. Auch ein markanter Rundturm am Hofeingang enthält Substanz der alten Klosteranlage und es gibt Spuren des Kreuzgangs, der in einem christlichen Kloster praktische und spirituelle Funktionen erfüllte. Das Klostergelände ist seit 1999 als Kulturdenkmal ausgewiesen.
Im Wald zwischen Schlierstadt und Hemsbach traf man auf die „Pfarrersbild Kapelle". Sie wurde im Jahr 1947 von einer Schlierstadter Familie zum Gedenken an ihren im Jahr 1941 in Russland gefallenen Sohn errichtet. Der Name der Kapelle geht auf mögliche Begebenheiten eines Hemsbacher Pfarrers an diesem Ort zurück. Am Hemsbacher Weg fand sich die „Fischerskapelle“ mit einer Figur der Muttergottes als Himmelskönigin, eine kleine Gebetstätte mitten in der Flur.
Mit einer Einkehr in der Gaststätte „Rinschbachtal“ in Hemsbach und ließ man den informativen Wandertag mit einer Zeitreise in die Vergangenheit und Walldürner Geschichte ausklingen.