OWK nahm Walldürner Gassen in den Blick
am 22.02.2026
OWK nahm Walldürner Gassen in den Blick
am 22.02.2026
Der OWK bot am vergangenen Sonntag einen Spaziergang durch Walldürner Gassen an. Insgesamt war es eine ca. vier Kilometer lange Tour mit 68 Teilnehmer*innen. Sie wurde von Brunhilde Marquardt geleitet.
Vom allgemeinen Treffpunkt der Wanderer*innen, dem Traboldsgässchen, führte der Weg über die Prügelgasse. Man hörte von einem früheren Zürngässchen, das von hier aus durch Gärten zur Seestraße führte, die früher, also nachdem man außerhalb der Stadtmauer bauen durfte, zunächst Neu- und noch später Seegasse genannt wurde.
Man ging entlang dem Ziegler Gässchen, das am Ende der Seestraße entlang der Bahntrasse früher bis zur Würzburger Straße führte. Über das Breite Gässchen und die Manggasse kam man in das Altstadtviertel, dem historischen Stadtkern Walldürns, der ausschließlich von Gassen geprägt ist.
Manche davon zeigen durchaus einen gewissen Charme mit romantischem Flair, andere sind eng und dunkel, vielleicht sogar mystisch, viele sind einfach nur zweckmäßig entstanden.
Man hörte von der engsten Gasse der Welt sowie vom Leben und Treiben der Menschen in eng aneinander liegenden Häuschen in verwinkelten Gassen mittelalterlicher Städte, wo es vielleicht weniger Individualität und Privatsphäre gab, aber durchaus nachbarschaftlichen Zusammenhalt, Anteilnahme, Toleranz und Gemeinschaft – natürlich auch Konfliktpotenzial.
Vielen Wanderern war die Karpfengasse, ein heutiger Teil der unteren Klosterstraße, nicht bekannt oder auch der Streckfuß, eine direkte Verbindung vom Wallfahrtsplatz zur Schmalgasse. Und wo gab es in Walldürn eine Hohle Gasse, eine Höllengasse oder eventuell die engste Gasse?
Viele Gassen haben ihren Namen von ihrem Aussehen (Schmalgasse, Streckfuß), von bekannten ehemaligen Anwohnern (Traboldsgässchen, Meerbreiersgässchen, Meidels Gässchen, Zieglers Gässchen, Zürngässchen), von ihrer geschichtlichen Entwicklung (Zwingergässchen, Sandgasse, Breites Gässchen), von ihrer Lage (Turmgasse, Rathausgasse, Karpfengasse) oder von ihrer früheren Funktion und ihrem Zweck (Manggasse).
Man nahm auf dem Rundgang ca. insgesamt 20 Walldürner Gassen und Gässchen in den Blick, wobei einige Gässchen oder Stichwege noch keine Namen tragen.
Man hörte, was es mit den Redewendungen „durch Gassen ziehen“, „über die Gasse reichen“, „jemand auf die Gasse setzen“ auf sich hat. So meint die Redewendung „Hansdampf in allen Gassen“ eine umtriebige, überall präsente Person, ursprünglich meinte man allerdings einen Kuchen, der früher am Johannistag nach dem Abbacken in der Lohnbäckerei dampfend nach Hause getragen und an Arme verteilt wurde.
Auch viele Sagen ranken sich um Walldürner Gassen: vom Teufel in der Seegasse, von rätselhaften Mücken im Zwingergässchen, von einer Rache in der Linsengasse und weißen Gäuli und einem Andachtswunder in den Altstadt-Gassen. So wundert es nicht, dass dort gehäuft Fratzen an Fachwerkhäusern ins Balkenwerk geschnitzt sind oder Neidköpfe unterm Giebel oder in Ecken auftreten, um vor dämonischen Einflüssen zu schützen und Schrecken abzuwenden.
Mit einem Gassenhauer, dem Gedicht „Auf den Gassen“ von Ferdinand Sauter, beschloss Brunhilde Marquardt die Wanderung bevor man im Gasthaus zum Hirsch einkehrte und den Wandernachmittag ausklingen ließ.