Am vergangenen Sonntag erwanderte der OWK unter der Führung von Wolfgang Eisenhauer und Brunhilde Marquardt einen der sechs zertifizierten Römerpfade. Alle sind verschiedenen römischen Gottheiten gewidmet, diese 8,5 Kilometer lange Tour der Göttin Venus, da sie als besonders ästhetisch und landschaftlich reizvoll gilt, was den Attributen der Venus entspricht. Zudem hatte der Weg einen römischen Bezug, denn er führte nahe am römischen Odenwald-Limes vorbei und bot Einblicke in die römische Vergangenheit.
Der Odenwald-Limes war Anfang des 2. Jahrhundert für ca. 50 Jahre ein Teil der Grenze zwischen dem Römischen Reich und den Germanen. Auf einer 80 Kilometer langen Strecke verband er die nasse Grenze vom Main zum Neckar. Auch, wenn er heute kein Welterbe-Status genießt, wie der ORL (Obergermanisch-Raetische-Limes), so ist er doch ein Besuchermagnet.
Damals konnte ein römischer Bürger vom Nahen Osten bis England/Schottland reisen ohne eine Außengrenze zu übertreten, überall wurden römische Münzen angenommen, man musste nur 2 Sprachen beherrschen: Griechisch und Latein, und überall stand man unter dem Schutz des Römischen Reiches. Der Odenwald-Limes hatte nur einige Jahrzehnte Bestand. 155 n. Chr. wurde er aufgegeben und 30 Kilometer nach Osten verlegt, es ist der heutige ORL.
Kulturhistorische Zeugnisse am Venuspfad waren u.a. der Wachtturm 10/44 „Heunebuckel“. Einst größter Steinturm am Odenwald-Limes, ist er heute noch hinter einem stattlichen Hügel die Turmruine verborgen. Die Größe des Turms mögen auf eine Relaisstation zur Nachrichtenübermittlung, seine Ausstattung mit Ziegeldach und Mondmotiv auf seine Nutzung als Heiligtum hinweisen. Heute sieht man davon nur noch eine Erhebung im Waldboden.
Auch eine Nachbildung des Reliefs der Göttin Viktoria aus rotem Buntsandstein fand sich im weiteren Wegverlauf. Die Siegesgöttin Viktoria auf einem Globus stehend, hält Siegerkranz und Palmwedel in erhobenen Händen. Das Original befand sich einst am Osttor des Kleinkastells Robern, heute steht es im Römermuseum in Osterburken. Es weist darauf hin, dass die Römer ein tief religiöses Volk waren und zahlreiche Götter und Schutzgeister ihre religiösen Vorstellungen bestimmten.
Hier am Limes war man tolerant gegenüber den regionalen germanischen Gottheiten, solange der Frieden herrschte, der Pax Romana. Gottheiten der Römer und Germanen vermischten sich und wurden gepflegt. Aber als Soldat und Mitglied der römischen Armee war man verpflichtet sich dem Kaiserkult und der offiziellen Staatsreligion zu unterwerfen. Eine Jupiterbank mit einer stark stilisierten Jupitersäule erinnerte an die Gallo-römische Kultur. Hier rastete man mit einem weitem Panoramablick über den Kraichgau bis zum Heilbronner Becken.
Auch einige Kleindenkmale aus dem 17./18. Jahrhundert säumten die Wegstrecke. Sie wurden aus Dankbarkeit, aber auch zum Gedenken an ein tragisches Ereignis errichtet. Man passierte freie Landschaften sowie dichte Nadelwälder mit vielen Heidelbeeren. Hier passte das Gedicht von der Walldürner Mundartdichterin Hanne Assion-Bausback „Häädelbiernzeit“.
In Balsbach besuchte man die katholische Klosterkirche Christkönig. Bis 2015 war hier ein Konvent der Klarissen-Kapuziner angebunden. Die Ordensschwestern lebten von der Außenwelt zurückgezogen, um sich vorwiegend dem Gebet und der Kontemplation zu widmen. Sie waren auch bekannt für ihre kostbare Handarbeit mit Nähen und aufwendiger Stickerei von liturgischen Gewändern.
Über das sagenumwobene Wagenschwend mit seinem dörflichen Charme und Fachwerk erreichten die 43 Teilnehmer*innen wieder den Waldparkplatz, dem Start und Ziel der Tour. Im Restaurant „Zur alten Scheune“ in Krumbach ließ man den Wandertag im Hohen Odenwald ausklingen.