Berichte‎ > ‎2019‎ > ‎

Kulturabend des OWK am 08.11.2019 im HDOT

veröffentlicht um 19.11.2019, 06:41 von Wolfgang Eisenhauer

Zu einem begeisternden und großartigen Erlebnis wurde für ca. 250 Gäste und Besucher der am vergangenen Freitagabend im „ausverkauften“ Haus der offenen Tür in Walldürn von der OWK-Ortsgruppe Walldürn anlässlich des diesjährigen 1225-jährigen Stadtjubiläums der Stadt Walldürn veranstaltete Kulturabend „UnterWEGs“ mit der Theaterpädagogin, Kabarettistin, Rezitatorin und Sängerin Ann-Kathrin Schneider, begleitet von Edi Farrenkopf am Piano und auf dem Akkordeon.

Zwei Stunden lang machte sich Ann-Kathrin Schneider an diesem Freitagabend in zünftiger Wanderkluft auf den Weg, ihren Rucksack dabei gefüllt mit Texten, Geschichten, Gedichten und Philosophischem, die allesamt von der Reiselust, vom Wandern, vom „Sich auf den Weg machen“, von der Sehnsucht nach der Ferne, vom Abschied und vom Aufbruch, und vom Erinnern an die Heimat handelten, und die von der Heimat als auch von der Ferne erzählten, niedergeschrieben von deutschsprachigen Schriftstellern wie Hermann Hesse, Kurt Tucholsky oder Robert Walser, aber auch von internationalen Dichtern und Denkern, die es während ihrer Lebenszeit oftmals in die schöne, freie Natur zog. Auch die im Laufe dieses Kulturabends zu hörenden deutschen Volksliedern, Chansons und englischen Songs handelten immer wieder vom Wandern und vom Fernweh.

Eröffnet wurde der Kulturabend musikalisch mit dem aus dem Musical „Mozart“ stammenden und von Ann-Kathrin Schneider gesanglich in hervorragender Weise dargebotenen und dabei von Edi Farrenkopf am Piano instrumental sehr dezent im Hintergrund begleiteten Song „Gold von den Sternen“, ehe Ann-Kathrin Schneider sodann nach kurzen, an alle Kulturabend-Besucher sowie insbesondere auch an Bürgermeister Markus Günther und Pfarrer Karl Kreß gerichteten Begrüßungsworten ihr an diesem Freitagabend zu hörendes Programm kurz vorstellte.

Sehnsucht stand danach dann im Mittelpunkt ihres ersten Textprogrammbeitrages „Die Made“, einem absoluten Klassiker aus der des Feder des deutschen Komikers, Musikers, Komponisten, Unterhaltungskünstlers, Kabarettisten, Schauspielers und Dichters Heinz Erhard.

Neugier als Motiv, sich auf den Weg zu machen“ beinhaltete sodann der nächste, von dem Schweizer Schriftsteller Jürgen Schubiger

stammende Textprogrammbeitrag „Die erste Reise“.

Nach dem nächsten Liedvortrag von Ann-Kathrin Schneider „Die Gedanken sind frei“ machte sich danach dann auch bei Christian Morgensterns „Gespräch einer Hausschnecke mit sich selbst“ eine Schnecke besinnliche Gedanken, ob sie aus ihrem Haus raus soll oder ob sie aus ihrem Haus nicht raus soll.

Mit dem Themenblock Abschied befasste sich Ann-Kathrin Schneider im Verlauf der nächsten thematischen und auch gesanglichen Programmbeiträge „Zu Fuß nach Paris“ von dem zeitgenössischen niederländischen Schriftsteller Remco Campert, „Der Abschied“ von Eugen Roth, „Reich mir zum Abschied“ („Good night“) aus der Operette „Viktoria und ihr Husar“ sowie „Abschied“ von Joseph von Eichendorff, einem bedeutenden Lyriker und Schriftsteller der deutschen Romantik.

Weiter ging die Wanderreise dann mit „Wanderparkplatz“ aus dem Audioguide von Wanderführer Manuel Andrack, einem Wanderprofi und Deutschlands bekanntester Wanderfreund und weiter danach in einem nächsten Block mit dem Schwerpunktthema „Wanderlust“ und dessen erstem textlichen Programmbeitrag mit dem gleichnamigen Titel „Wanderlust“ von Wilhelm Busch, in dem es vor allem um das richtige Wanderschuhwerk ging. Diesem Textbeitrag ließ Ann-Kathrin Schneider mit dezenter instrumentaler Begleitung durch Edi Farrenkopf die drei bekannten und bei Wanderfreunden stets allzeit beliebten Volkslieder „Mich brennt´s in meinen Reiseschuh´n“, (Text von Joseph von Eichendorff), „Ich komme schon durch manche Land“ - „La marmotte“ (Text von Johann Wolfgang von Goethe, Musik von Ludwig van Beethoven)sowie „Aus grauer Städte Mauern“ folgen.

Nach diesen drei Liedvorträgen begaben sich die Zuhörer im Saal zusammen mit Ann-Kathrin Schneider sodann gemeinsam auf eine klassische Heldenreise, in dem sie mit viel Aufmerksamkeit deren Worte von „Siegfrieds Kampf mit dem Drachen“ lauschten, die der langjährige Direktor des Amorbacher Karl-Ernst-Gymnasiums, Reinhold Grzega, in seinem von ihm in seinem Hörbuch „Siegfried - Heldensage für Kinder von 7 - 107 Jahren“ stammenden neu erzählten Nibelungenlied verfasst hat. Begeisternd und beeindruckend dann auch der Text von Andrea Schwarz „Die Rucksäcke sind gepackt“, in dessen Mittelpunkt die Aussage und Feststellung stand, dass nur derjenige, der sich auf den Weg macht, auch das wahre Leben erleben wird, während im letzten Textbeitrag vor der Pause „Wer kennt Odenwald und Spessart?“ von Kurt Tucholsky dann vor allem die Rückkehr und das Bewusstseinmachen von der Heimat im Fokus stand.

Mit einem musikalischen Programmbeitrag gemeinsam in die Pause brachen die beiden Akteure auf der Bühne dann zusammen mit dem Publikum auf, und zwar mit dem allseits bekannten Liedtitel der Comedian Harmonists „Leb wohl, gute Reise“.

Den zweite Programmteil dieses Kulturabends eröffnete Ann-Kathrin Schneider sodann musikalisch mit einem Liedbeitrag, der aufzeigte und deutlich machte, dass Unterwegs sein auch Getriebensein bedeuten kann: „Heute hier und morgen dort“ von Hannes Wader.

Mit einem Auszug aus der Erzählung „Der Spaziergang“ des deutsch-schweizerischen Schriftstellers Robert Walser - „Mit offenen Augen“ - war zu erkennen, dass ausgedehnte Spaziergänge nicht ausschließlich nur Müßiggang, sondern oftmals auch berufliche Weiterbildung sein können.

Weiter im Wandergeschehen dieses Kulturabends „UnterWEGS“ ging es alsdann mit so manch Philosophischem aus der Feder einiger bekannter Dichter und Denker: So mit „Meine Gedanken schlafen ein“ aus den Essais“ des französischen Philosophen Michel de Montaigne aus dem Jahr 1580, dem „Umherspazieren“ des belgischen Schriftstellers des 20. Jahrhunderts, Georges Simenon, dem „Mein Körper muss in Bewegung bleiben“ aus den „Bekenntnissen“ von Jean-Jacques Rousseau, einem Philosophen der Aufklärung, sowie „Ich habe mir die besten Gedanken angelaufen“ von Soren Kierkegaard, einem dänischen Schriftsteller und Philosophen Anfang des 19. Jahrhunderts.

Musikalisch ging es alsdann weiter mit einer Cover-Version des Dean-Martin-Hits „Memories are made of this“, mit dem durch Freddy Quinn bekannt gewordenen Millionenseller „Heimweh“, gesanglich dargeboten von Ann-Kathrin Schneider und dabei instrumental begleitet von Edi Farrenkopf auf dem Akkordeon.

Im Mittelpunkt des nächste Textblock-Themas stand danach dann das Sich-Erinnern und das Sich-Zurückbesinnen“: So bei dem Textbeitrag „Sehnsucht“ aus der „Fußwanderung“ von Robert Walser, bei „Mondnacht“ von Joseph von Eichendorff, bei „der Wanderpfad“ von Otto Friedrich Bollnow, einem deutschen Philosphen und Pädagogen des 20. Jahrhunderts, sowie bei „Der Wanderer“ von Peter Härtling, einem deutschen Schriftsteller der Neuzeit.

Nächster Themenschwerpunkt im Verlauf dieses Kulturabends „UnterWEGs“ war dann die Sehnsucht nach dem Ankommen wollen und das Vermissen von einem Zuhause, von Ann-Kathrin Schneider nachhaltig dokumentiert und interpretiert mit dem von ihr gesungenen Pop-Titel des zeitgenössischen Sängers des Deutsch-Pop, Max Griesinger aus dessen drittem Album „Die Reise“ - der Top-Hit Zuhause“, dem sich danach dann als nächster Text-Themenschwerpunktblock textliche Gedanken zum Thema Natur anschlossen, nachhaltig unterlegt und dokumentiert durch die Wortbeiträge „Über Naturauffassung“ von Kurt Tucholsky, „Gefunden“ - bei ein Spaziergang von Johann Wolfgang von Goethe, „Und nichts zu suchen, das fällt schwer“ von Michail Krausnick, einem im Mai dieses Jahres verstorbenen freien Autor aus Neckargemünd, sowie „Summe meine Fehlfahrten“ von Matthias Politycki, einem in Karlsruhe geborenen Schriftsteller.

Nächster musikalischer Programmbeitrag war die amerikanische Volksweise „Home on the range“, der dann schließlich überleitete zu den drei letzten Textprogrammbeiträgen: Nach Osten“ aus dem im Jahr 2012 erschienenen Buch „Spaziergänge“ von Franz Hohler, einem schweizer Schriftsteller, Kabarettisten und Liedermacher, „Das Wandern“ von Theodor Heuss aus dem Jahr 1959, sowie als letzter Text auf dem Weg „Wandersehnsucht“ von Hermann Hesse.

Nach kurzen, an ihren musikalischen Weggefährten Edi Farrenkopf, an Jürgen Pönicke und dessen Team sowie an die OWK-Ortsgruppe Walldürn gerichteten Dankesworten von Ann-Kathrin Schneider stellte sodann schließlich der Liedbeitrag „Über sieben Brücken must du gehn“ - das im Jahr 1978 auch von der DDR-Rockband „Karat“ besungene und danach dann vielfach gecoverte und vor allem auch durch Peter Maffay bekannt gewordene Lied - mit Rückbesinnen auf den bildhaften „Lebensweg“ den offiziellen Schlusspunkt dieser nahezu 40 Programmpunkte umfassende Kulturabend „UnterWEGs“ im Haus der offenen Tür dar.

Doch beschlossen wurde die Veranstaltung nach nicht enden wollenden Beifallsbekundungen des begeisterten Publikums erst nach zwei Zugaben (dem Textbeitrag „Die Ameisen“ von Joachim Ringelnatz und dem Liedbeitrag „Kein schöner Land“, nach herzlichen - an Ann-Kathrin Schneider und Edi Farrenkopf gerichteten Schluss- und Dankesworten für die Gestaltung dieses grandiosen Abends und der Überreichung von jeweils kleinen Dankes- und Anerkennungspräsenten, sowie nach einer weiteren letzten musikalischen Zugabe der beiden Künstler auf der Bühne mit „Wer weiß, was uns die Zukunft bringt“.

Bericht und Aufnahme: Stieglmeier

Comments