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OWK wanderte am 10.04.2016 im Sieben-Mühlen-Tal in Walldürn

veröffentlicht um 11.04.2016, 01:50 von Wolfgang Eisenhauer









Der OWK wanderte entlang der früheren sieben Mühlen im romantischen Walldürner Marsbachtal mit 65 interessierten Wanderfreunden bei herrlichem Frühlingswetter unter der Führung von Brunhilde Marquardt.

Sieben Mühlen erfüllten einst das Marsbachtal mit ihrem Geklapper. Nach und nach wurden sie stillgelegt, weil sie sich mit dem Aufkommen der Dampfmühlen und moderner Mühlenbetriebe nicht mehr rentierten. Meist wurden sie als landwirtschaftlicher Betrieb weitergeführt.

Zunächst gelangten die Wanderer über die Miltenberger Straße, dem früheren Mühlweg, der am Ausgang der Stadt und außerhalb des Miltenberger Stadt-Tors begann, zur Mühle I, der ehemaligen Retzbach-Mühle. Das große, aus mehreren Gebäuden bestehende Anwesen der Familie Bleifuß wurde mehrfach umgebaut und früher mit einem oberschlächtigem Wasserrad als Getreide-, Grünkern- und Ölmühle betrieben, der auch ein Holzsägewerk angegliedert war. Der Mühlenbetrieb wurde 1932 eingestellt, da der Marsbach durch seine Begradigung und Kanalisierung nicht mehr so viel Wasser führte.

Man wanderte durch das Wohngebiet Heide und überquerte auf dem Richard-Schirrmann-Weg die B 47. Am Fuß dieses Weges, der in Walldürn liebevoll Eselsweg, bzw.-brücke genannt wird, stand bis 1973 die Mühle II oder die im fränkischen Fachwerkstil errichtete Mühle der Familie Geiger. Wegen ihrer früheren Besitzer ist sie in Walldürn auch als Grimm- oder Schinnagel -Mühle bekannt. Sie betrieb eine Getreidemühle für die Erzeugung von Mehl und Grünkern. Bis 1944-1945 drehte sich das oberschlächtige Holzmühlrad an der Vorderseite des Wohnhauses zum Marsbach und Bahngleis hin. Der Mühlbetrieb wurde nur bis Ende der 1920er Jahre geführt. Mit der Anlage der Umgehungstraße B 47 wurde 1973 das gesamte Anwesen abgerissen.

Über den Auerbergweg Richtung Rippberg genoss man immer wieder einen herrlichen Blick ins romantische Marsbachtal mit seinen verträumten Wiesen und Wäldern in allen Facetten von Grüntönen und schon bald sichtete man, an einem sonnigen Westhang in einer starken Krümmung des Tales gelegen, gleich zwei Mühlen: die untere Mühle III oder Scherlinger-Mühle, heute im Besitz der Familie Gramlich und die obere Mühle VI oder frühere Feldeles-Mühle, sie war einst im Besitz der Familie Hornbach. Alois Häfner erwarb zu seiner Mühle III 1890 noch die obere Mühle IV. Mit dem Bau der Bahntrasse 1899, die mitten durch beide Mühlen führt, wurde das Anwesen an seine Söhne Anton (untere Mühle) und Alois (obere Mühle) aufgeteilt, die sie wiederum an ihre Töchter Lina und Elisabeth weitergaben. Die untere Mühle wurde als Schrot- und Grünkernmühle, die obere als Sägewerk genutzt. Vor dem Haus Gramlich erinnert noch ein Mahlstein und einige Buntsandstein-Wasserrinnen an die ehemalige Mühle. Ein Tür-Schlussstein trägt die Inschrift: ZH 1729 und erinnert daran, dass die Scherlingersmühle von den Herren von Ziegenhorn erbaut wurde. Daher wurde sie früher auch die Ziegenhornsche Mühle genannt.

Als nächstes Mühlanwesen folgte die Beuchertsmühle mit einer Getreidemühle, Mühle V, und dem tiefer gelegenen Sägewerk, Mühle VI. Die Familie Beuchert erwarb 1870 diese Mühlen von den Geschwistern Grimm. Ein Türschlussstein mit der Inschrift "MG 1855" erinnert noch an die früheren Besitzer. Das Sägewerk wurde bis 1928 weitergeführt, als Ausgleich zur aufgegebenen Mehlproduktion errichtete man eine Brotbäckerei. Wegen Einberufung zum Kriegsdienst musste man den Backbetrieb 1941 einstellen. Die Mühle verfügte noch 1883 über zwei oberschlächtige Holz-Wasserräder, die Strom erzeugten noch lange bevor die Stadt Walldürn mit Strom versorgt war. 1974 erwarb die Stadt Walldürn das Anwesen und errichtete mit den gleichen Sandsteinen den heutigen Bau des gutgehenden Restaurants Beuchertsmühle von Norbert JKilian, an dem sich ein Wasserrad von der Herberichs-Mühle von Gerichtstetten von 1935 dreht.

Nur 300 Meter weiter, erhob sich in Fließrichtung des Marsbachs am linken Ufer, am Hang des hinteren Schafsbergs die letzte Mühle, Mühle VII, die Walkmühle. Sie zählt zu den ältesten hiesigen Mühlenbetrieben. Um 1900 ist diese Mühle gemäß dem Namen ihres Besitzers als "Löhrmühle" und wegen ihrer Tätigkeit als Walkmühle bekannt geworden. Das Mühlrad bewegte eine Walzenwalke, die Flachs und Hanf walkte, der als Jute weiterverarbeitet wurde. Diese Art Mühle war im Zeitalter der Industrialisierung nicht mehr rentabel. Familie Bundschuh entschied sich für eine Kornmühle, der später noch eine Brotbäckerei angegliedert wurde. 1940 wurde der Backbetrieb wegen Einzug zum Militär eingestellt. Bis zum Umbau 1947 trieb das oberschlächtige Mühlrad einen 60 V-Generator und erzeugte Strom. Ab 1963 führte die Familie Schmidt ein Gasthaus und erweiterte dieses ab 1977 mit einer Privatpension. Heute dient das mehrfach umgebaute Anwesen der Familie Schmidt als Wohnhaus.

Man überquerte auf dem Neusaßer-Brückchen den Marsbach und erreichte die Beuchertsmühle. Hier kehrte man ein. Danach traten die Wanderer über das Wildgehege und ökologische Beobachtungsgehege den Heimweg an.


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