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Von allem ebbs - aus der Sicht eines Gastes

veröffentlicht um 10.07.2014, 11:17 von Werner Weigand   [ aktualisiert: 13.07.2014, 21:47 ]



Bilder unseres Wanderfreundes aus Ladenburg
Von allem ebbes

unter diesem Motto hatte die OWK-Ortsgruppe Walldürn seinen Wandertag im WanderMagazin „Die Dorflinde“ vielsagend angekündigt. Das hatte mich, der ich in Ladenburg zuhause bin, außerordentlich neugierig gemacht.

Bei strahlendem Sonnenschein begrüßte Agnes, Vorsitzende des OWK Walldürn, gegen 8.30 Uhr die erste Wandergruppe zum Start der sportlichen Rundwanderung. 6 Wanderinnen, 7 Wanderer und ein Hund hörten ab jetzt auf Karl-Friedrich als unserem versierten Wanderführer. Mit schnellen Schritten ging es bei spürbarem Gegenwind auf dem Limes-Wanderweg Richtung Altheim. Karl-Friedrich berichtete, dass wir uns heute im Grenzbereich zwischen dem rund 240 Mio. Jahre alten Muschelkalk des Baulands und dem noch älteren Buntsandstein des Odenwaldes bewegen werden. In diesem Zusammenhang erklärte er auch, dass die Alpen erst später aus der Verschiebung der afrikanischen gegen die europäische Platte entstanden waren. So hilft die Geologie, das Bauland näher kennenzulernen.

Nach einer knappen Stunde war der Waldrand erreicht. Kurze Zeit später bogen wir ab und folgten in nordöstlicher Richtung dem blauen Dreieck Richtung Hardheim. Der breite und bequeme Wanderweg lag wohltuend im Schatten des Bodenwaldes. In Waldstetten verriet uns Karl-Friedrichs Computer, dass wir bereits einen Liter Flüssigkeit verloren haben. Rasch also trinken und ein wenig den Durst löschen. Das Wasser eines Brunnens spendete erfrischendes Nass. Am Ortsausgang waren wir gefordert, den etwa einen Kilometer langen Aufstieg zur Hardheimer Höhe zu bewältigen. Also Energie sparen durch Einschränkung der Kommunikation. Bald lag ein herrlicher Wiesenweg zwischen Gersten- und Weizenfeldern vor uns.

Eine halbe Stunde später kam Hardheim in Sicht. Der Wanderführer wies darauf hin, dass Steine möglichst nahe ihrer Gewinnung verbaut worden waren, um Transporte zu meiden. Wir würden Buntsandstein und Kalkstein an den Gebäuden allein an ihrer Farbe erkennen können. Die Dom-Glocken schlugen zwölfmal, als wir kurze Zeit später den Biergarten unserer Gaststätte erreichen. Leichte Kost und vor allem erfrischende Getränke standen hoch im Kurs. Dass der 6. Juli zum Welt-Kuss-Tag ausgerufen worden war, nahmen die weiblichen und männlichen Teilnehmer zwar interessiert zur Kenntnis. Allein der Energieverbrauch beim Küssen könnte dafür verantwortlich gewesen sein, dass den Worten leider keine Taten folgten. Doch nicht „von allem ebbes“?

Nach der Mittagspause bummelten wir zum Erftaldom, der katholischen Kirche St. Alban. Sie ist, wie Brunhilde uns sachkundig erklärte, gerade 120 Jahre alt. Der Dom ersetzte ab 1894 eine einsturzgefährdete gotische Kirche.

Karl-Friedrich führte die Wanderer auf dem in nordwestlicher Richtung verlaufenden Mühlenweg, neben uns ein paar Stromschnellen der Erfa. Die Wohlfahrtsmühle lag idyllisch vor uns, konnte uns aber nicht für eine Kaffeepause locken, weil wir andere Pläne hatten. Und weiter ging unsere Wanderung. Im Dornberger Wald erreichten wir die ehemalige Marienkapelle, die Gnadenstätte "Unsere liebe Frau im Wald". Hinter Dornberg erstreckten sich weite Kornfelder, die, wie Karl-Friedrich erläuterte, jetzt auf dem in den 30er Jahren für den ehemaligen Militärflughafen stark planierten Gelände liegen. In weitem Bogen führte uns der Weg hinunter zum Lochbach in Höpfingen. Entlang der stillgelegten Bahntrasse strebte die Wandergruppe in Richtung Walldürn.

Vom Himmel drohte uns nach Einschätzung des Wanderführers kein Ungemach, der vorherrschende Wind sei ein sicheres Indiz. Petrus war offensichtlich anderer Ansicht, denn plötzlich öffnete er ein wenig seine Schleusen, und bestätigte damit das Motto „von allem ebbes“. Zielstrebig wanderten wir durch den Wald und erreichten bald den Ostrand Walldürns. Dort verweilten wir kurz für das obligatorische Foto an der ehemaligen Hochgerichtsstätte, dem Galgen. Raschen Schrittes durchquerten wir die Stadt und langten pünktlich um 17 Uhr am Lehenhof Sans an. Dort warteten Agnes und ihre treuen Helfer, und versorgten die müden Wanderer – mittlerweile waren alle drei Gruppen eingetroffen – mit Kaffee, Kuchen, Getränken und kleinen Speisen.

Für mich war es mehr als nur 31 Kilometer – ein herrliches Erlebnis, mit einer wahrlich gastfreundlichen, aktiven Ortsgruppe das mir bisher weitgehend unbekannte Bauland zu erwandern. Dabei von Brunhilde und Karl-Friedrich auch Wissenswertes über Geologie, Kultur und Geschichte zu erfahren. Letztlich zeigte Petrus, dass das Bauland – zumindest an diesem Wandertag – zu Unrecht „Badisch Sibirien“ genannt wird. Bericht von Johann  

Euch allen ein herzliches Dankeschön, insbesondere den Akteuren. – Liebe Grüße aus Ladenburg 

Bericht und Bilder: Johann Kose, Ladenburg




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